Literaturtipps

Pınar Selek: Zum Mann gehätschelt. Zum Mann gedrillt.

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Männliche Identitäten.
Orlanda Verlag 2010, 14,90 €

Willkommenswatschen, Prügelorgien, absolute Unterordnung:
So sieht der Alltag der jungen Rekruten, „mehmetcik" genannt, in der
Türkei aus. Für ihre nun auf deutsch vorliegenden beeindruckende und gut lesbare Studie über den türkischen Männlichkeitswahn und dessen Formierung in der Armee interviewte die Autorin 58 Männer über ihre Erfahrungen während ihres Präsenzdienstes. Pınar Selek ist eine antimilitaristische und feministische Soziologin, die zur Zeit im Exil in Deutschland lebt, nachdem ihr in der Türkei nach Folter und Gefängnis eine weitere Haftstrafe von 36 Jahren droht. In einem absurden Prozess ohne Beweise wird der jungen Soziologin vorgeworfen, für einen Bombenanschlag in Istanbul verantwortlich zu sein. „Ich fühle mich wie in einem Science Fiction Film, oder in einem Roman von Kafka", so Selek. Der Grund ihrer Verfolgung in der Türkei liegt in ihren Büchern: die mutige Wissenschafterin beschäftigt sich vor allem mit dem türkischen Militär, der Repression gegen KurdInnen, ArmenierInnen und Homosexuellen.

 

Irak - Von der Republik der Angst zur bürgerlichen Demokratie?

Irak - Von der Republik der Angst zur bürgerlichen Demokratie?von Mary Kreutzer, Thomas Schmidinger (Hg.)

ça ira Verlag, 2004
420 Seiten,
ca. 19,00 €
ISBN 3-924627-85-1

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Im ihrem Sammelband befassen sich überwiegend irakische AutorInnen mit der Geschichte des Irak bis zum Sturz Saddam Husseins und den aktuellen Entwicklungen seit April 2003. Die AutorInnen, die ein breites politisches Spektrum von gemäßigten schiitischen Islamisten über Vertreter kurdischer Parteien und den irakischen Grünen bis hin zu Kommunisten und einer Arbeiterkommunistin repräsentieren, befassen sich dabei im Gegensatz zu den meisten bisher zum Irak erschienenen Büchern bewußt aus einer irakischen Perspektive mit der politischen Entwicklung des Irak und ermöglichen damit völlig andere Einblicke in die Geschichte des irakischen Ba´thismus und die Perspektiven nach dem Sturz Saddam Husseins, als dies in der europäischen Presse üblich ist.

- Rezensionen zum Buch

- Besprechung aus Context XXI

 

Republic of Fear - Politics of Modern Iraq

Republic of Fear - Politics of Modern Iraqvon Kanan Makiya

University of California Press, 1998
360 Seiten,
ca. € 20,46

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Kanan Makiya veröffentlichte dieses Werk erstmals 1989 unter dem Psyeudonym Samir al-Khalil. „Republic of Fear“ wurde nie ins Deutsche übersetzt., obwohl es längst als DAS Standardwerk für das Verständnis des Irak und hier besonders des Terrorregimes Saddam Husseins gilt. Der Autor beschäftigt sich darin ausführlich mit der Geschichte, Ideologie und Institutionen des totalitären Ba'th-Regimes.

Kanan Makiya wurde im Irak geboren und blieb nach der Ausbürgerung seiner Familie durch das Ba'th-Regime im US-amerikanischen Exil. Er publizierte weiters: The Monument: Art Vulgarity and Responsibility in Iraq (1991), Curelty and Silence: War, Tyranny, uprising and the arab world (1991). Nach der Befreiung des Irak im April 2003 kehrte er zurück, beteiligte sich an der Ausarbeitung einer neuen Verfassung und widmet sich dem Aufbau der Iraq Memory Foundation (wwww.iraqmemory.com), einer Stiftung, die die Verbrechen des Ba'th-Regimes dokumentiert.

 

Blood and Belief. The PKK and the Kurdish Fight for Independence

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von Aliza Marcus, NYU 2009

 

Die Zahl der Toten im bewaffneten Konflikt zwischen türkischem Militär und kurdischer Widerstandsbewegung PKK wird auf etwa 30.000, meist kurdische ZivilistInnen, geschätzt. Der türkische Generalstabschef sprach indes jüngst von „32.000 ausgeschalteten Terroristen“. Während die massiven Menschenrechtsverletzungen im „Anti-Terrorkampf“ der türkischen Armee und deren paramilitärischen Einheiten bekannt und Thema etlicher Publikationen sind, herrscht Mangel an seriösen Arbeiten – die weder heroisieren noch dämonisieren – über die PKK, die größte und bis heute einflussreichste kurdische bewaffnete Organisation der Türkei. Aliza Marcus hat für ihr Buch neue Quellen und über hundert Interviews mit PKK-DissidentInnen verarbeitet. Daraus entstand eine differenzierte und höchst lesenswerte Studie über die Entstehung der PKK und die Entwicklung autoritärer sowie stalinistischer Strukturen, über den wahnhafte Ausmaße annehmenden Personenkult rund um den Paranoiker und trotz Gefangenschaft bis heute unangefochtenen Führer der PKK Abdullah Öcalan, über parteiinterne „Säuberungen“, denen hunderte unschuldige Mitglieder zum Opfer fielen, und, besondes spannend, über Geschlechterverhältnisse innerhalb der Guerilla.


 

Die Türkei, die Juden und der Holocaust

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Corry Guttstadt
Assoziation A, 2008

Obwohl die türkischen Juden in Europa eine beeindruckende Gruppe bildeten, wurde ihr Schicksal während der Shoah bis heute kaum aufgearbeitet - weder von Seiten der offiziellen Türkei, noch von der Holocaust-Forschung. Die Turkologin Corry Guttstadt leistet mit dieser Neuerscheinung Pionierarbeit und räumt mit dem Mythos auf, die Türkei habe durch ihre „judenfreundliche Politik" unzählige türkischer Juden und Jüdinnen vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten gerettet. Das Buch bietet weiters einen breitgespannten Überblick über die Entstehungsgeschichte des türkischen Nationalstaates und der kemalistischen Politik sowie deren Verhältnis zu - und der Ausgrenzung von - ethnischen und religiösen Minderheiten, der Armenier, Assyrer, Griechen, Kurden und - Juden. Ausgangs- und Angelpunkt der Studie ist die differenzierte Perspektive der türkischen Juden selbst, die bis jetzt in der Erforschung der Shoah kaum zu Wort gekommen waren.

 

Im Schatten der Apartheid. Frauen-Rechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt in Südafrika

Von Rita Schäfer

LIT Verlag, 2. aktualisierte Auflage 2008

Wie auch in ihrem jüngsten Werk „Frauen und Kriege in Afrika" (Brandes & Apsel, 2008) analysiert die Anthropologin Rita Schäfer hier afrikanische (Nachkriegs-)Gesellschaften aus der Genderperspektive und bietet eine enorme Fülle von historischen Details, Analysen und Erklärungsversuchen für diverse Formen von Gewalt in ausgewählten afrikanischen Ländern. Beide Bücher sind nicht nur gut und flüssig lesbar, sie sind zudem spannend und gehören eindeutig zur Topliga der Sachbücher im Bereich der Gewaltforschung. Allerhöchste LeEZA-Empfehlung!

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