___________________________________________________
Â
Geschrieben von: Stefan Beig, Wiener Zeitung
Wiener Zeitung,
13. Juni 2009
Linz. Für Wirbel sorgt eine Veranstaltung der Grauen Wölfe im Neuen Rathaus Linz. Der türkische Avrasya Kultur-, Bildungs- und Hilfsverein organisiert dort am Sonntag ein Musikfest. "Dieser Verein gehört zum Spektrum der Grauen Wölfe", berichtet der Politologe Thomas Schmidinger.
Graue Wölfe werden die Mitglieder der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung ("Milliyetçi Hareket Partisi", MHP) genannt, deren Logo sich auf dem Folder des Musikfests befindet. "Der dort auftretende Sänger Cafer Altun ist in MHP-Kreisen beliebt, seine Texte propagieren immer wieder die völkisch-nationalistische Ideologie der MHP", so Schmidinger. "In den 70ern waren die Grauen Wölfe für viele Anschläge gegen Linke in der Türkei verantwortlich und bereiteten den Boden für den Militärputsch."
Die deutsche Extremismus-Expertin Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin ergänzt: "Die Grauen Wölfe träumen von einem großtürkischen Reich, sind aber keine Islamisten. Für sie ist der Islam die kulturelle Basis des Türkentums, mehr nicht." In Deutschland sorgte im Mai 2008 der Auftritt des Kölner CDU-Chefs und einer CDU-Europaabgeordneten bei der Eröffnung eines MHP-Kulturvereins für öffentliche Empörung.
Stadtrat Klaus Luger (SPÖ) hat dennoch keine Bedenken: "Gegen Avrasya liegt strafrechtlich nichts vor." Die Nähe zu den Grauen Wölfen bestreitet Vereinsmitglied Abdurrahman Altaslan nicht: "Wir sind aber keine Faschisten. Uns geht es nur um die türkische Kultur. Wir erniedrigen andere Völker nicht."
"In Oberösterreich nahm die Mitgliederzahl der Grauen Wölfe in letzter Zeit zu", erzählt die Integrationsexpertin und gebürtige Kurdin Tülay Tuncel. "Bezeichnenderweise ist der Sprecher des Vereins Avrasya auch Mitarbeiter des Linzer Integrationsbeirats." Tuncel ist selber ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Linzer Beirats. "Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen türkisch-nationalistischen und kurdischen Jugendlichen nahmen in Oberösterreich zu. Ich habe schon vor Jahren im Beirat auf die Rolle nationalistischer Vereine hingewiesen. Türkische Mütter erzählen, dass ihre Kinder von diesen Vereinen gegen Kurden aufgehetzt werden."
Printausgabe vom Samstag, 13. Juni 2009
LeEZA, Postfach 105, A-1181 Wien | Tel.: +43-650-5236415 | Fax: +43-1-9135484 | info@leeza.at