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Geschrieben von: Der Standard
Der Standard,
13./14. Mai 2006
Hat es auch diesmal nicht geklappt - nicht aufgeben! Die große Idee, sich die Vermarktung nicht bestellter Cobra-Einsätze von den Opfern finanzieren zu lassen, lebt ...
Von Günter Traxler
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Im Blattsalat "Waghalsig Richtung Kurdistan" vom Dienstag wurde der heldenmütige Cobra-Einsatz im Irak zwecks Befreiung eines von seinem kurdischen Vater entführten Buben gewürdigt, was mir nur durch die gute Zusammenarbeit des Cobra-Kommandos mit einem Reporter-Kommando der "Kronen Zeitung" möglich war.
Als kleinen Dank für deren Opferbereitschaft reiche ich nun einen Brief nach, den die Mutter des Buben geschrieben hat. Er sollte schon deshalb an die Öffentlichkeit, weil er noch besser, als es mir zu beschreiben vergönnt war, die Hingabe zeigt, mit der sich die Männer von Cobra für Bedrängte einsetzen, und wie viel die "Kronen Zeitung" daran setzt, nach profunder Recherche den Mut dieser Truppe zu feiern.
Hier der Bericht der Mutter: Die Cobra-Beamten sind deshalb nicht mit mir zurückgeflogen, weil sie eigentlich wollten, dass ich mein 1000-Euro-Flugticket, welches mein Budget als allein erziehende Mutter von drei Kindern bereits zum Bersten brachte, umtauschen sollte. Ich sollte mit ihnen fliegen, damit ich bei der Ankunft in Wien-Schwechat die Medienvertreter, die dort warten würden, mit dem Cobra-Team gemeinsam begrüßen könne. Woher ich die zusätzlichen 400 Euro nehmen sollte? Die würden sie mir borgen, wenn ich das Geld danach wieder zurück überwiese.
Dass die Männer von Cobra bereit waren, einer allein erziehenden Mutter in der Fremde 400 Euro vorzuschießen, im bloßen Vertrauen darauf, sie würde die Summe zu Hause zurückzahlen, stellt nicht nur dem weichen Herzen, sondern auch der Privatinitiative dieser harten Kämpfer ein schönes Zeugnis aus. Wie oft kommt es vor, dass Schulden nicht beglichen werden! Und schließlich sollten die 400 Euro gut angelegt sein, nämlich zu Ruhm und Ehre der Elitetruppe Cobra, besungen und fotografisch belegt in der "Krone".
Dass die Mutter nicht bereit war, sich für dieses hohe Ideal abzocken zu lassen, könnte auf Undank schließen lassen, tatsächlich bewahrte sie ihren Dank nur für andere: Ich habe lächelnd abgelehnt. Meinen Dank möchte ich an dieser Stelle Mary Kreutzer und Thomas Schmidinger von der Hilfsorganisation WADI ausdrücken. Ohne sie hätte ich mein Kind wohl nie wieder gesehen. Dank auch an Herrn Poick von der österreichischen Botschaft in Ankara für seine Hilfe.
Hat es auch diesmal nicht geklappt - nicht aufgeben! Die große Idee, sich die Vermarktung nicht bestellter Cobra-Einsätze von den Opfern finanzieren zu lassen, lebt: Immer wieder entführt ein Vater sein Kind, und die Helden von Kurdistan oder sonst wo stehen allzeit bereit zu zeigen, was in ihnen steckt, wenn es gilt, mit der "Krone" zu mauscheln. Wenn ihnen nur die zuständige Ministerin nicht dreinpfuscht!
Es ist eben alles eine Sache des Vertrauens, das hat vielen übrigens auch das Bawag-Debakel wieder einmal in Erinnerung gerufen. Dabei erfährt der Wert des Vertrauens allenthalben eine Minderung, wie uns Hans-Peter Martin, der Einsatz Hans Dichands im Wahlpoker, neulich überzeugend vor Augen führte. Nicht ohne eine Parallele zur EU zu ziehen, einfach weil es sich zwanglos ergab. Die EU und die BAWAG haben vieles gemeinsam, fand er. Beweis: Die EU sollte ihre Bürger vor allem vor unfairer Globalisierung schützen, damit nicht nur eine Minderheit von den neuen Möglichkeiten profitiert. Die BAWAG wiederum galt als sicherer Hafen für 1,5 Millionen Kunden in Österreich und ebenso viele Gewerkschaftsmitglieder.
Aus so vielen Gemeinsamkeiten lässt sich bequem der Satz ableiten: Beide, BAWAG und EU, haben auf dramatische Weise versagt. Leider kann man die EU nicht verkaufen wie die Bawag. Haben Sie auch weiche Knie, reiben auch Sie sich die Augen? fragt der Eventuell-Kandidat nach dem Befinden der "Krone"-Leser. Und jammert: Was nur ist aus Europa geworden, was aus dem ÖGB?
Das ist alles nur, weil man nicht auf ihn hört. Vor einem Jahr schrieb ich an dieser Stelle: Wir brauchen nicht nur einen Kurswechsel, sondern einen Elitewechsel. 2006 gilt dies umso mehr. Es wird auch 2007 und 2010 gelten, die Frage ist nur, ob Hans-Peter Martin dann an dieser Stelle noch schreibt.
Denn sein Förderer sieht es längst nicht so dramatisch, was aus dem ÖGB geworden ist. Die Macht der Gewerkschaft sei erheblich gebrochen . . . Was für eine Fehleinschätzung! Denn Gewerkschaften in aller Welt waren nie vom Geld abhängig, sondern von den starken Armen ihrer Mitglieder; ihnen und niemandem sonst gehören ÖGB und BAWAG. Das muss ihm einst der ÖGB-Präsident Franz Olah erzählt haben.
Jetzt wird es darauf ankommen, dass man auf beiden Seiten nicht weiter in neue extreme Situationen gerät. Wirtschaftskammerpräsident Leitl hat in seinem Bemühen, die Sozialpartnerschaft wieder zu errichten, bereits einiges zuwege gebracht. Dort liegen die Chancen zur Überwindung dieses "Erdbebens" und nicht darin, es als Munition im Wahlkampf zu gebrauchen.
Es ist doch so einfach. Nicht den ÖGB, einfach die Sozialpartnerschaft neu gründen - und schon ist das "Erdbeben" überwunden.
(DER STANDARD; Printausgabe, 13./14.5.2006)
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