Analysen

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„Sie starb mit offenen Augen. Schande über uns, die wir mit geschlossenen Augen leben“

Solidarität mit der Demokratiebewegung im Iran

LeEZA, 30. Juni 2009

 

Seit dem massiven Wahlbetrug des Regimes, der einem coup d´etat von Oben gleich kommt, demonstrieren die IranerInnen täglich für Freiheit und Demokratie. Die brutale Repression, mit der das Regime diesen Protesten begegnet, entzieht der derzeitigen politischen Führung des Iran jede Legitimität.

Durch Zensur und Sperren von Kommunikationsmitteln, dringen nur beschränkte Informationen aus dem Land. Trotzdem steht bereits jetzt fest, dass das Regime mit einer Brutalität gegen unbewaffnete DemonstrantInnen vorgeht, die auch für iranische Verhältnisse eine neue Qualität darstellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden in den letzten Wochen wesentlich mehr DemonstrantInnen von den Milizen des Regimes ermordet, als offiziell zugegeben. Weltweit bekannt wurde die 26 Jahre alte Studentin Nena Agha-Soltani, die von einer Kugel getroffen vor laufender Kamera starb.

„Sie starb mit offenen Augen, Schande über uns, die wir mit geschlossenen Augen leben" hieß es daraufhin weltweit auf Demonstrationen von IranerInnen und ihren FreundInnen gegen die Brutalität des Regimes. Hunderte von Demonstranten und Demonstrantinnen wurden seit Beginn der Proteste festgenommen und werden in den Gefängnissen des Regimes gefoltert.

Die Menschen, die im Iran auf die Straßen gehen um für ihre verlorenen Stimmen und ihre verlorenen demokratischen Rechte zu kämpfen, stellen eine breite heterogene Bewegung dar. Unter den DemonstrantInnen befinden sich politische AktivistInnen, die ein völlig anderes System wollen, ebenso wie Menschen, die sich als Verteidiger der Islamischen Republik gegen jene sehen, die aus einer Republik eine Diktatur der Pasdaran (Revolutionswächter) machen wollen. Was sie eint, sind nicht konkrete Zukunftsvorstellungen für den Iran, sondern ihren Zorn über den Wahlbetrug, die Unterdrückung und die Repression, sowie der Wunsch nach politischer und persönlicher Freiheit.

Dieser Wunsch ist letztlich ein Wunsch nach Demokratie, wie auch immer sich die IranerInnen diese im Detail genau vorstellen mögen.

Die iranische Bevölkerung kämpft um ihre Demokratie und ihre Freiheit. Sie will weder, dass ihnen diese Freiheit von außen durch einen Krieg gebracht wird, noch eine Rückkehr zu jener Tyrannei des Shah-Regimes, der sie in der Revolution von 1979 ein Ende setzten. So wie sich die IranerInnen in der Vergangenheit, in der konstitutionellen Revolution von 1905 oder in der Revolution von 1979 gewalttätiger Herrschaft selbst in den Weg gestellt haben, so tun sie dies auch 2009 in den Straßen von Tehran, Täbriz, Shiraz, Isfahan, Sanandaj, Kermanshah und vielen anderen Städten des Landes.

Unsere Solidarität mit der iranischen Bevölkerung wendet sich damit auch gegen die Diabolisierung des Iran. Die IranerInnen zeigen gerade mit den Demonstrationen der letzten Wochen, dass sie die Hauptleidtragenden dieses Regimes sind und dass nur sie dieser Unterdrückung ein Ende setzen können. Das Iranische Regime ist verantwortlich für massive Menschenrechtsverletzungen wie etwa die Hinrichtung von Homosexuellen und Steinigungen von Frauen. Es schreckt selbst vor der Hinrichtung von Minderjährigen und Menschen mit intellektueller Behinderung nicht zurück. Oppositionelle unterschiedlicher Lager werden verfolgt, gefoltert und ermordet. Die IranerInnen wissen, nicht zuletzt aus den Erfahrungen von 1979, dass sie die Kraft haben die Unterdrückung zu beenden. In diesem Bemühen erhalten sie unsere Solidarität.

Die Demonstrationen im Iran erinnern uns aber auch daran, dass Demokratie und Menschenrechte keine „Kultureigenschaften" Europas oder „des Westens" sind.

Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind universelle Rechte, die immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden müssen! Nicht nur im Iran, sondern weltweit.

 

Lang lebe der Kampf für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte!

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ZUR INFO, ZUM WEITERVERBREITEN, UND NOCH WICHTIGER: ZUM HINKOMMEN:

 

* Die „Gemeinschaft zur Unterstützung für die Rechte aller Iraner - Wien" veranstaltet am Sonntag, den 5. Juli 2009, um 18:00, eine Solidaritätskundgebung am Heldenplatz. Bitte kommt zahlreich!


* Von heute an (30. Juni) sind von selbiger Vernetzung bis inklusive Freitag (3. Juli) ganztägige Sitzstreiks vor dem UN-Gebäude in Wien geplant.

Termine des Sitzstreikes:
Dienstag, 30. Juni: 14:00 bis 22:00
Mittwoch, 1. Juli: 8:00 bis 22:00
Donnerstag, 2. Juli: 8:00 bis 22:00
Freitag, 3. Juli: 8:00 bis 22:00

Ort: UN - Gebäude in Wien

Tor 1, Wagramer Straße 5, 1220 Wien

LeEZA, Postfach 105, A-1181 Wien | Tel.: +43-650-5236415 | Fax: +43-1-9135484 | info@leeza.at