Geschrieben von: Thomas Schmidinger
Die Presse, 17.1.2007
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Nicht eine mir von SP-Gemeinderat und Integrationssprecher der isla mischen Glaubensgemeinschaft vorgeworfene "Weltverschwörungstheorie von bedrohlicher muslimischer Unterwanderung in Österreich" habe ich in meinem Gastkommentar formuliert, sondern eine Kritik: dass "Anhänger der Muslim-Brüder die Führung IGGiÖ übernommen" haben.
Das Verbreiten von Halb- und Unwahrheiten zählt zu eben dieser Strategie, die eng mit dem Doublespeak verbunden ist, den ich Al-Rawi, Scheich Adnan Ibrahim und seinen Freunden Tarafa und Amina Baghajati von der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ) vorgeworfen habe. Wie schon in unzähligen mündlichen Diffamierungsversuchen von Al-Rawi und Baghajati, die in der Vergangenheit immer wieder mit Interventionen versucht hatten, Veranstalter meiner Vorträge zum politischen Islam oder zu Fragen des Antisemitismus zu einer Ausladung meiner Person zu bewegen, versucht Al-Rawi auch in seinem jüngsten Kommentar, durch Diffamierung meiner Person als "antideutsch" und "philozionistisch" meine Kritik, die er in keinster Weise entkräften kann, zu delegitimieren.
Obwohl ich nie Mitglied einer antideutschen Gruppe war und nie in einer antideutschen Zeitung publizierte, werde ich von Omar Al-Rawi zum "Antideutschen" erklärt, womit er glaubt, genug gesagt zu haben. Aus der Unterzeichnung eines Aufrufs in einer Zeitschrift aus dem Jahre 2002, der in ironischer Anspielung auf den Vorwurf gegen einige Unterzeichnende, sie wären "Philozionisten", mit dem Titel "Wir Philozionisten" übertitelt wurde, leitet Al-Rawi ab, ich wäre "laut eigener Definition ,Philozionist'".
Diese absurde Fokussierung auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, der mit keinem Wort Thema meines Artikels war, legt den Verdacht nahe, dass es Al-Rawi und Baghajati vor allem eben darum geht: die Verteidigung des Existenzrechtes Israels zu delegitimieren. Fakt ist, dass meine grundsätzliche Solidarität mit der Existenz des jüdischen Staates nie mit einer generellen Verteidigung israelischer Regierungspolitik verbunden war. Al-Rawis Wut gegen meinen angeblichen "Philozionismus" kann sich also nur gegen eine Position richten, die eine Zweistaatenlösung anstrebt, in der ein jüdischer Staat neben einem palästinensischen seinen Platz hat.
Dass die in der Schura-Moschee gesammelten Gelder an Projekte der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB) gingen, die auf den Listen der Ölgutscheinempfänger Saddam Husseins auftauchte und deren Generalsekretär Fritz Edlinger in den Sudan fuhr, um an den Feiern zum islamistischen Militärputsch Omar al-Bashirs teilzunehmen, kann wohl genauso wenig zur Verteidigung von Al-Rawis Freunden herangezogen werden wie ihr angebliches Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung.
So bezichtigten Al-Rawi und Baghajati die Anti-FGM-Kampagne unserer NGO Wadi im Irak gar als "islamophob" und erklärten - öffentlich - FGM zu einem "afrikanischen Brauch", den es unmöglich im Irak geben könne. Al-Rawis Vorwurf der "Islamophobie", den er in seinem Gastkommentar wiederholt, ist damit nichts anderes als jener des "Philozionismus": der verzweifelte Versuch, Kritik am politischen Islam abzuwehren.
Thomas Schmidinger ist Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien und Vorstandsmitglied von WADI und Iraquna.
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